Bremer Originale


Heini Holtenbeen
1835 - 1909


Bronzeplastik Heini Holtenbeen von Klaus Homfeld, Bremen Schnoor
Bronzefigur (1990)
Klaus Homfeld








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Heini Holtenbeen - Ein Bremer Original

Er lebte im Schnoor, hieß Jürgen Heinrich Keberle und hatte gar kein Holzbein, wie sein Spitzname Heini Holtenbeen (Holzbein) vermuten lässt. Er hinkte und ging am Stock - nach einem Unfall in seiner Lehrzeit, bei dem er durch eine Bodenluke rutschte, sich das Bein brach, es aber nicht im Krankenhaus behandeln ließ. Der Bruch heilte nicht richtig, sein Bein blieb steif.

Kippensammler

Nach dem Unfall konnte er nicht mehr als Tabakprüfer arbeiten, er war zu langsam geworden und auch geistig angeschlagen, vermutlich schizophren, wie Jahrzehnte später vermutet wurde.
Fortan lungerte er in schäbigem Hut und Mantel vor der Börse herum und sammelte Zigarrenkippen. Drinnen war das Rauchen nämlich verboten. Aus den Stumpen machte er Pfeifentabak, den er verkaufte. Ein armseliger Broterwerb.

Große Klappe

Für seine Sprüche war er bekannt, deshalb wohl gilt er bis heute als ein Bremer Original. "Teindusend Särge", so wird er gern zitiert, "swommen de Weser entlang. Und keenen for mi". Er blieb niemandem eine Antwort schuldig und war doch ein zutiefst einsamer Mann, der von Almosen lebte und mit einem Handwagen als Dienstmann durch die Stadt zog, um sich ein bisschen Geld zu verdienen.

Darlehen

Wenn er auf dem Marktplatz ein paar Groschen erbettelte, versprach er, dieses "Darlehen" zurückzuzahlen. Eine Familie hatte er nicht, war auf die städtische Armenpflege angewiesen und fand schließlich im Asyl von St. Jürgen eine Bleibe. Dort starb er, verarmt und einsam, am 13. September 1909 im Alter von 74 Jahren.

Denkmal für ein Original

Eine Bronzefigur von Klaus Homfeld, aufgestellt 1990, erinnert an ihn. Sie steht an der Ecke Hinter der Holzpforte/Wüste Stätte unweit des Geschichtenhauses im Schnoor, wo Heini Holtenbeen wie so viele andere Originale aus der Bremer Vergangenheit wieder lebendig wird.
Ein Kräuterlikör ist nach Heini Holtenbeen benannt und ein gleichnamiger Verein im Schnoor sorgte für Denkmal und Grabstätte. Und zwischen Butjer-, Bienen- und Schlickwiesenweg gibt es in Walle den Heini-Holtenbeen-Weg.

(Quelle: Johann-Günther König, "Heini Holtenbeen, Fisch Lucie und andere Bremer Originale – ein Wiederbelebungsversuch", Bremen 1990)