Bremen
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Ostertor


kleine Häuser im Ostertorviertel Bremen  Ostertorsteinweg, Freizeit Bremen Idyllische Straße
im Ostertorviertel

Bremen Caesar Graffiti Bremen Graffiti Caesar


Bremen Mozartstrasse verfallenes Haus Bremen, Freizeit Bremen Mozartstrasse 31


Ostertor

Bremens lebendigster Stadtteil

"Wir bitten Sie, Ihre Autos so wenig wie möglich zu benutzen".
Die Bitte steht in krakeliger Kinderschrift auf einem ausgerissenen Schulheft-Zettel, der an die Hauswand gepinnt ist. Die bunten Kreidekästchen auf der Straße lassen den Grund ahnen: Hier wird Hopse gespielt, alternativ Fußball, manchmal auch Federball. Fahrende Autos stören nur.

Katzenparadiese

Besser, die Autos parken. Zum einen, weil man froh über einen Parkplatz sein muss, auf dem man länger als zwei Stunden stehen darf, zum anderen, weil sich die zahlreichen Katzen freuen. Sie lieben es, auf warmen Motorhauben ein Mittagsschläfchen zu halten oder sich auf dem Autodach die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Eine tierische Sommerbeschäftigung, natürlich.

Rosenpracht

Im Ostertorviertel gibt es viele Ecken, in denen sich im Frühling und Sommer die pure Idylle ausbreitet. Üppige Kletterrosen ranken zwischen Efeu, Weinlaub und blühenden Glyzinien an gepflegten Fassaden empor.
Die Häuser sind vorwiegend im Stil des "Bremer Hauses" gebaut, viele hundert und mehr Jahre alt. Zwischen den zwei- bis dreigeschossigen Bürgerhäusern stehen kleine Arbeiterhäuser, auch mal die eine oder andere feudale Villa, und zwischendurch erlauben schmale Gänge den Ausblick auf unerwartet üppige Gärten hinter den Häusern.

Unterwegs mit der Sprühdose

Wenn sich ein Neubau zwischen die alten, meist schön restaurierten Fassaden gemogelt hat, fügt er sich in Architektur und Farbgestaltung fast immer harmonisch ein.
Selten trifft man auf hässliche Klinkersünden, häufig allerdings auf grellbunte Graffiti. Gegen die Sprühwut ist nicht anzukommen, kaum ist eine Hausfassade neu gestrichen, kommt er, der nächste Sprayer. In der Regel ist das alles schreiend bunt, Kunstwerke sind nur selten. Extremes Beispiel: die Blumenstraße. An den Hauswänden rechts und links ist bis über Augenhöhe kein Zentimeter unbemalt. Auch die Hauswand von Caesar's Haushaltswarengeschäft. Sein Haus ist das älteste am Ostertorsteinweg.

Waren aus der Schublade

Erker, Türmchen und Reliefs, Veranden und Wintergärten, aus Stein gemeißelte Figuren, schmiedeeiserne Balkone, Stuckornamente, Rundbögen und Säulen - das Viertel ist reich an Gestaltungselementen vergangener Jahrhunderte.
Berühmtes Beispiel im Ostertor (und in jedem Reiseführer vermerkt) der schönste Tante-Emma-Laden-Deutschlands, "Wilhelm Holtorf Colonialwaren von 1847" innen und außen in schönstem Jugendstil. Rosinen, Nüsse, Gewürze, Sauerkraut und ein stadtbekanntes Müsli gibt es hier noch lose, direkt aus der Eichenholzschublade.

Stadtplanerischer Größenwahn

Das Ostertorviertel sah mal ganz anders aus: verfallen, verwahrlost, heruntergekommen. An den Fassaden bröckelten Farbe und Putz, viele Häuser waren verkauft worden oder standen leer.
Grund dafür war der gigantische Plan einer Stadtautobahn vom Rembertiring durch die Mozartstraße über eine Brücke hinüber zum Stadtwerder und zur Neustadt, die sogenannte Mozarttrasse. Sie sollte die Innenstadt auf lange Sicht verkehrstechnisch entlasten. Das hätte über viele Straßenzüge hinweg blanken Kahlschlag bedeutet.

Zäher Widerstand

Nach massiven Protesten und zähem politischen Widerstand durch den Ortsverein Altstadt verschwand die Trasse 1973 auf Nimmerwiedersehen in der Schublade. Das Viertel atmete erleichtert auf und war fortan Sanierungsgebiet.
Den Instandbesetzungen folgten echte Instandsetzungen, Straßenzüge und Häuser bekamen wieder ein Gesicht, das Viertel belebte sich zusehends und ist heute eines der schönsten und lebendigsten Stadtteile Bremens.
Im Oktober 2008 wurde in Erinnerung an die heißen Zeiten des Protestes in der Straße "Paulskloster" ein Denkmal aufgestellt.

Atomkraft? Nein Danke!

In der Mozartstraße Nr. 31 steht ein letztes Überbleibsel dieser Zeit. Das unansehnliche Haus, noch mit einem "Atomkraft, nein Danke" im Fenster, wurde in den 70er Jahren besetzt, um es vor drohendem Abriss zu bewahren. Heute lebt die Besitzerin irgendwo in Asien und kümmert sich nicht darum.


Das Ostertorviertel - Kulturmeile und Einkaufsstraße.....

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